RYA – YM – Coastal

Yachtmaster Coastal

Der englische Sportbootführerschein RYA/MCA Yachtmaster Coastal (ehemals Coastal Skipper, geändert 1. Januar 2009) ist in etwa mit dem deutschen Sportküstenschifferschein vergleichbar. Die Voraussetzungen zum Erwerb des Yachtmaster Coastal sind jedoch strenger als beim deutschen Pendant und die praktische Prüfung ist erheblich umfangreicher (siehe Prüfung). Außerdem wird unterschieden zwischen “tidal” und “non-tidal” – also ob mit Tidengewässer-Erfahrung oder nicht. Soll der Führerschein den Vermerk “Tidal” umfassen, müssen mindestens 50 % der Zugangsvoraussetzungen in anerkannten Tidengewässern (bspw. nicht in der Ostsee und nicht im Mittelmeer) vorab erworben sein.

Voraussetzungen

Grundsätzlich werden benötigt:
– Befähigungsnachweise für Funk (SRC / VHF und GMDSS)
– Erste Hilfe gemäß RYA-Standard (zusätzlich spezielle Anforderungen bzgl. Maßnahmen bei Hypothermie und Schäden durch Ertrinken)
– seglerische Erfahrung.

Bei der seglerischen Erfahrung wird unterschieden, ob vor der Prüfung ein Course im RYA/MCA-Trainings-Center besucht wird oder nicht, denn wer schon über Segelerfahrung verfügt, kann sich auch direkt der Prüfung (auch auf eigenem Kiel) stellen.

Ohne RYA-Theorie-Course gelten folgende Voraussetzungen:
– mindestens 800 Seemeilen
– 30 Seetage an Bord
– zwei Seetage als Skipper
– 12 Stunden Nachtfahrt.

Bei Besuch des entsprechenden Courses im RYA/MCA-Trainings-Center (Kurs u. Prüfung min. 5 Tage) werden die Voraussetzungen wie folgt reduziert, wobei zudem ein vorausgehender Theoriekurs bei einem RYA/MCA-Trainings-Center empfohlen wird

Mit RYA-Course gelten folgende Voraussetzungen:
– mindestens 300 sm
– 15 Seetage an Bord
– zwei Seetage als Skipper
– 8 Stunden Nachtfahrt.

Theoretische und praktische Prüfung

Die Prüfungen finden ausschließlich in englischer Sprache statt, egal in welchem Land die Prüfung abgenommen wird. Häufig werden Yachtmaster Coastal und Offshore zusammen geprüft, da die Inhalte identisch sind und sich nur der Anspruch unterscheidet.

Die theoretische Prüfung ist eine umfassende Törnplanung in den RYA-Übungskarten, die anhand einer unbekannten Aufgabenstellung des Prüfers, schriftlich und Praxis bezogen erstellt werden muss. Die Aufgabe gibt Boot, Seegebiet, Crewzusammensetzung, Start/Ziel, etc. vor und umfasst i.d.R. Tidengewässer, Mehrtägigkeit, Mannschaftsführung, Wachplan, etc. sowie führt immer durch schwierige Passagen. So muss ein Törn mit Familiencrew anders geplant werden als mit einer erfahrenen Crew. Diese Planung wird vor der praktischen Prüfung dem Prüfer zugeleitet und während des Prüfungstörn verteidigt.

Die praktische Prüfung findet an Bord statt und dauert wie folgt, wobei nur die Mindestdauer definiert ist, aber der Prüfer nach eigenem Ermessen verlängern kann, und es soll keine Prüfung mit mehr als 4 Kandidaten durchgeführt werden:

für 1 Kandidaten: 6-10 Stunden
für 2 Kandidaten: 8-14 Stunden
für 3 Kandidaten: 20-28 Stunden
für 4 Kandidaten: 24-32 Stunden.

Die praktische Prüfung umfasst einen realen Törn entsprechend der gesamten Prüfungsdauer, der von jedem Prüfungsteilnehmer (für sich) geplant werden muss, um jederzeit als Skipper übernehmen zu können, wobei es jedoch normal ist, dass zwischendurch durch den Prüfer ad hoc das Ziel geändert wird, um zu prüfen, wie adäquat darauf reagiert wird.

Es wird jedoch nicht nur die Fähigkeit als Segler getestet, sondern die seemännischen und führungstechnischen Fähigkeiten insgesamt (u.a. auch auf pflegliche Mannschaftsführung, Verpflegung, nein-sagen, etc.). Schwerpunkt ist immer der Bereich Sicherheit. So startet eine Prüfung i.d.R. mit dem sog. Deckwalk und der Sicherheitseinweisung der Mannschaft, wobei jeder Prüfungsteilnehmer einen Teil der Kontrolle bzw. Einweisung übernimmt.

Während des Prüfungstörn werden umfassende und tiefgehende theoretische Fragen zu allen Gebieten der Yachtführung gestellt, wobei die Antwort immer eine detaillierte Begründung beinhalten muss. Während einer Freiwache wird bspw. der als theoretische Prüfung erstellte Törnplan verteidigt. Zudem werden Kartenkenntnisse, Betonnungen, Schall- und Lichtsignale, etc. abgefragt.

Wesentlicher Unterschied außer dem Zugangsvoraussetzungen zwischen Yachtmaster Coastal und Yachtmaster Offshore ist die Anzahl Fehler, die man sich erlauben darf. Der Coastal-Kandidat darf noch geringe Schwächen haben, der Offshore-Kandidat muss fehlerlos zum gesetzten Törnziel gelangen.